Von Worten, Wörtern und Gesagtem

Kategorien Spoken Word

Manchmal reichen alle Worte nicht,
Um zu sagen, was man sagen will.

Manchmal braucht es kaum ein Wort,
Um zu sagen, was man sagen will.

Manchmal redet man
Und sagt doch nichts dabei.

Manchmal sagt man nichts
Und trotzdem alles.

Manchmal sagt man «Oh», «Hm», «Uh» –
Winzige Wörter an der Bedeutungsgrenze –
Und Welten tun sich auf.

Manchmal sagt man «gekröpft», «Gemengelage», «Fehlbelegungsabgabe» –
Schwere Gebilde,
Viel Material,
Das wir nur von Weitem,
Oftmals kaum ganz verstehen.

«Gekröpft?», «Gemengelage?», «Fehlbelegungsabgabe?»

Die Wörter anders auszuspucken,
Anzuheben, abzusenken, hinauszuschiessen,
Hilft uns auch nicht weiter.

Das Gemeinte lässt uns nicht
An sich heran –
Als wanderten wir mit Wegweisern,
Die ins Nirgendwo zeigten.

Und auch wenn wir unbeirrt unsere Hand
Danach ausstrecken,
Lange nach dem letzten Zungenschlag,
Es fast zu berühren glauben,
Ist es uns doch entwischt.

Umgekehrt die Zeichen,
Wiewohl kompakt und kurz,
Die uns ganze Geschichten
Und immer wieder andere erzählen.

Einmal so, einmal so gesagt,
Leuchten
Sie uns bunt entgegen.
Die Farbe bleibt stets die gleiche,
Nur wechselt sie ihre Töne.

So entstehen
Myriaden
Von Ohs und Ahs,
Hms und Uhs,
Hes und Has,
Ehs und Ihs,
Die sich alle
Zu Schwärmen ballen,
Bedeutungsschwer und -schwanger.

Und dann?

Lässt sich die Welt damit besser sagen?

Nicht immer.

Manchmal reichen alle Worte nicht,
Um zu sagen, was man sagen will.

Nach 211 Wörtern,
1357 Zeichen,
171 davon leere,
Ein erster Schluss.

171 leere Zeichen.

Was sind das für
Zeichen,
Die die Lücke ausweisen?
Die Zeile durchlöchern?
Die Buchstaben sperren?

Was sind das für
Zeichen,
Die dem Geschriebenen eine Form verpassen,
Es konturieren, strukturieren und ordnen?

Was sind das für
Zeichen,
Die die Dinge bestimmen, festsetzen, ja, sagen helfen?

Oder lassen sie
Raum
Für unsere Gedanken, Hoffnungen und Wünsche?

Das auch.

Denn manchmal sagt man nichts –
Und trotzdem alles.