Tanz dich nicht auf

Kategorien Spoken Word

Tanz, mein Kind,
Tanz – aber nicht zu sehr,
Nur ein bisschen,
Damit du dir nicht weh tust,
Damit du nicht auf die Nase fällst,
Vornüber, du weisst schon,
ohne dass deine Hände dich retten,
ohne dass das Gras dich auffängt,
ohne dass du ins Wasser springst.

Beweg deine Arme
Sachte, leise, still,
Bewege sie
Wie die Ähren in der Luft,
Nicht zu sehr,
Sonst brichst du
Auf und wanderst über die Lichter der Stadt
In ein neues Leben.

Ach, ich will
Dich
Tanzen sehen,
Etwas nur aber,
Sonst rast dein Herz, bis es stehenbleibt.

Schüttel deine Haare!

Ja, so ist’s gut.
Lass sie fliegen!
Silberlocken gleich,
Die die Schwerkraft umdrehen.

Aber Vorsicht, mein Kind!
Sei nicht so ungestüm!
Das hat etwas Ungelenkes, Starkes, Wildes.

Dein Lachen sieht jetzt aus wie Feuerzungen,
Deine Füsse zerfurchen den Boden,
Aus deinen Achseln wachsen Federn
Und in deinen Ohren sitzen Trommeln.

Du zuckst und zischt.
Was habe ich dir gesagt?
Tanz, mein Kind,
Tanz – aber nicht zu sehr,
Nur ein bisschen,
Damit du dir nicht weh tust…

Du hörst mich nicht
Mehr und mehr stülpst du deinen Blick nach innen,
Dein Körper bebt,
Du siehst nur noch dich.

Wohin tanzt es dich?

Bleib hier.

Jetzt seh ich dich unscharf, aufgelöst,
Eine Brise hebt dich an,
Wiegt dich hin und her
Und treibt dich wie auf einer Fontäne immer höher.

Bis, ja, bis es deine Zellen regnet.
Sie perlen vom Himmel,
setzen sich auf unsere Haut
Und vergrössern alles, was darunter liegt.

Deine Tropfen rutschen an uns herunter.
Sie zittern leicht, drehen eine regenbogenfarbene Pirouette,
Bevor sie buttrig von uns fallen.

Das Spiel, das du mit uns spielst,
Ist schön anzusehen,
Ich wippe im Takt deiner Musik.

Aber halt – was habe ich gesagt?!

Tanz…
Aber nicht zu sehr…
Nur ein bisschen…
Damit du dir nicht weh tust…