Wie oft habe ich dich schon besucht?

Ohne dass du meine Anwesenheit bemerkt hättest.

Wie oft habe ich mich am Tegel in dieses kleine, eine Klo gezwängt?

Ohne dass dir der neue Flughafen je wichtig gewesen wäre.

Wie oft bin ich vom Hackeschen Markt zum Alex und zurück gegangen?

Ohne dass du mir Hallo gesagt hättest.

Wie oft haben mich dein Wind, dein Regen, dein Grau zermürbt?

Ohne dass du Besserung gelobt hättest.

Wie oft hast du mir mit deinen Baustellen den Weg versperrt?

Ohne dass du jemals aufhören würdest damit.

Wie oft haben mir deine Pfützen die Hosenbeine verspritzt?

Ohne dass du dein Taschentuch gezückt hättest.

Wie oft sind mir besoffene Junggesellen begegnet?

Ohne dass du eingeschritten wärst.

Wie oft haben mich frivole Briten angejohlt?

Ohne dass du deinen Kopf leise in ihre Richtung geschüttelt hättest.

Wie oft hat der Ticketautomat meine EC-Karte wieder ausgespuckt?

Ohne dass du mir einen Zehneuroschein zugesteckt hättest.

Wie oft haben mich deine Ecken stechend, voll Unrat angestunken?

Ohne dass du dich dafür entschuldigt hättest.

Teil 2.

Aus der Luft siehst du aus wie ein Riff. Flächig. Verästelt. Dazwischen Seetang.

Deine Oberfläche ist rau. Ab und zu reisse ich mir die Haut auf. Schneide mich.

Lieber aber sehe ich deine Farben. Du bist grell, hell, rosa, pink, grün, blau, grau, nachts fluoreszierst du.

Manches an dir ist von Welt, manches von gestern. Sexy streckst du dich in die Luft und an deine Ränder. Aber beschaulich und Haxenbraterei geht auch.

Was immer ist: unaufgeregt.

Du bist getränkt mit DDR, Drittem Reich, Deutschem Kaisertum. Schicht um Schicht legt sich die Vergangenheit in dir übereinander.

Du liebst Kunst und Kultur. Mal so, mal anders. Letzteres am liebsten. Und viel.

Du breitest deine Arme aus. Als ob du sagen wolltest: Hier kann sein, wer will.

Ich rieche dich. Immer, wenn ich da bin. Ich rieche Fritten, U-Bahn, Linden, Parfüm. Ich rieche Indien, Italien, Vietnam, Vegan. Ich rieche Kind, alt, gay, solo.

Riecht so Freiheit – könnte man fragen.

Ja – oder: kommt darauf an – könnte man sagen.

Festlegen müssen sich die anderen –  könnte man meinen.

Sicher nicht Berlin.